Das Hilse-Projekt

16.10.20: Der unbekannte Meister VIII: Die Adressen Teil 1

 

Im letzten Beitrag (siehe Der unbekannte Meister VII vom 25.9.) ist bereits anhand des dort dokumentierten Lebenslaufs auf Wilhelm Hilses zahlreiche Umzüge hingewiesen worden.

 

Bis zu seinem 26. Lebensjahr ist er mit seinen Eltern sage und schreibe 12-mal (!) umgezogen - und im schönsten Kontrast dazu wohnte er dann wiederum die restlichen 26 Jahre seines Lebens an ein und derselben Stelle.

 

Dokumentieren lässt sich dies u.a. mit Hilfe sogenannter Historischer Adressbücher. Das Bremer Exemplar hieß in Hilses Geburtsjahr "Adreß-Buch der freien Hansestadt Bremen und der Hafenstädte Bemerhaven, Geestemünde, Vegesack, für das Jahr 1878" und lässt sich hier digital einsehen. 

 

Durchblättert man die Ausgaben auf der Suche nach der Familie Hilse, so lässt sich aber nicht nur eine Abfolge der Wohnorte erstellen. Vielmehr lässt sich an diesen Adressen viel aus Hilses Leben nacherzählen, weswegen sie hier nach und nach vorgestellt werden sollen.

AC

25.9.20: Der unbekannte Meister VII: Ein handgeschriebener Lebenslauf

 

"Corona" hat leider auch unsere schachhistorischen Berichte über Wilhelm Hilse (1878-1940) unterbrochen, deren Faden wir hiermit wieder aufnehmen (siehe Der unbekannte Meister I-VI unter 24.1., 6.2., 7.2., 18.2., 28.3. und 23.4.20).

 

Wir beginnen dazu mit einem ganz besonderen Dokument, nämlich mit einem handgeschriebenen Lebenslauf aus dem Jahre 1901. In diesem Jahr bewarb sich Hilse, der die Jahre zuvor als "Hülfslehrer" gearbeitet hat, zur Prüfung für das ordentliche Lehramt. Dazu verfasste er den nun folgenden Lebenslauf:

Zum Vergrößern anklicken!

 

Lebenslauf 
des Hülfslehrers 
Wilhelm Heinrich Hilse, 
geboren am 26. Juni 1878 in Bremen, 
evangelisch, 
wohnhaft in Bremen, Roßstr. 22.
 
Bremen, den 24. März 1901
Als Sohn des Lokomotivführers Ferdinand Hilse am 26. Juni 1878 geboren, trat ich am 1. April 1885 in die Volksschule an der Lessingstraße ein, deren Unterricht ich bis zum 1. April 1890 genoß. Mein weiterer Bildungsgang ist insofern wenig dem Prinzip der Lückenlosigkeit treu geblieben, als ungünstige Lebensverhältnisse meine Eltern zwangen, mich in verschiedene andere Schulen zu schicken. Ich besuchte nacheinander die Volksschule an der Calvinstraße, die Gemeindeschulen in Haste und Kirchweyhe und zuletzt wieder die Schule an der Calvinstraße. Derartige Änderungen in der Unterrichtsweise brachten in meine Kenntnisse so wenig Ordnung und Einheit, daß ich nur mit großer Mühe die Aufnahmeprüfung zum Seminar bestehen konnte. Nachdem dann ein sechsjähriger Seminarunterricht (Ostern 1893 bis Ostern 1899) befestigend und erweiternd auf mein Wissen eingewirkt hatte, wurde ich am 1. April 1899 nach bestandener Abgangsprüfung an der Vorschule von H. Schierloh als Hülfslehrer angestellt. Nach zweijähriger praktischer Thätigkeit hierselbst, verbunden mit wiederholendem und ergänzendem Privatstudium, hoffe ich jetzt die Reife erlangt zu haben, die mich zur erfolgreichen Ablegung der Prüfung für das ordentliche Lehramt berechtigt.
 
Diesem Lebenslauf können interessante Dinge entnommen werden, darunter seine Herkunft aus eher ärmlichen Verhältnissen, seine zahlreichen Umzüge in der Kindheit und die von ihm besuchten Schulen. Auf einige dieser Aspekte werden wir im Laufe dieses Hilse-Projektes zurückkommen!
AC

 23.4.20: Der unbekannte Meister VI: Eine Grabplatte mit Schachmotiven

 

... der im Video erwähnte Bericht findet sich hier unter dem 31.10. Die Aufnahme selbst stammt vom 7.4.

AC

28.3.20: Der unbekannte Meister V: Das älteste Foto Teil 2

 

Die Frage vom 18.2., ob und wenn ja, wo Wilhelm Hilse auf dem Gruppenfoto links steht

(Der unbekannte Meister IV) scheint gelöst! Die wohl richtige Antwort kam von Peter Anderberg vom SK Marmstorf GW Harburg und MTV Tostedt. Der Schachhistoriker - und mit einer DWZ von knapp 2000 auch kein schlechter Spieler - vermutet wie auch meine Wenigkeit, "dass Hilse in der vorderen Reihe auf der linken Seite steht, hinter den Buchstaben 'ar'." Zum Vegleich folgen zwei Vergrößerungen, die des bereits bekannten Gruppenfotos von 1902 und eine vom 21. Kongreß des Deutschen Schachbundes 1922 in Bad Oeynhausen.

AC

 

PS: Anderberg hat übrigens auch noch sehr Interessantes zur "bis dato ältesten bekannten" Partie Hilses zu berichten (Der unbekannte Meister III)  - dazu demnächst mehr!

Zum Vergrößern anklicken

18.2.20: Der unbekannte Meister IV: Das älteste Foto

 

Im Schacharchiv der Bremer Schachgesellschaft findet sich ein ganz besonders Foto: es zeigt die Teilnehmer des 6. Niederelbischen Schachkongresses, der vom 4. bis zum 6. Oktober 1902 in Bremen stattfand. Da zahlreiche Mitglieder des Vereins an diesem Turnier teilnahmen, ist es zugleich das älteste Gruppenfoto der Bremer Schachgesellschaft!

 

Dank der Schachkolumne der Bremer Nachrichten, die vom damaligen Vorsitzenden der Schachgesellschaft Rudolph Presuhn geleitet wurde (und von unserem Chronisten Hanno Keller für die Vereinschronik penibel ausgewertet wurde), wissen wir sogar die genauen Umstände des Fotos: Es ist am 4. Oktober gegen 14 Uhr von dem Fotografen Berghäger in den Wallanlagen in der Nähe der heutigen Bischoffsnadel aufgenommen wurde.

 

Für die für dieses Jahr geplante Artikelserie über Wilhelm Hilse ist dieses Foto ebenfalls besonders; denn wenn sich der Schreiberling dieser Zeilen nicht irrt, ist auch Hilse abgebildet, womit es zugleich das älteste bekannte Foto von ihm wäre! Zum Vergleich sei ein Detail eines Fotos aus dem Jahre 1927 angeführt (auf das wir als ganzes noch an anderer Stelle zurückkommen werden). Wer findet anhand dieser Darstellung das 25 Jahre jüngere Ich Hilses auf dem Foto von 1902? Antworten und Vermutungen bitte an schacharchiv@bremersg.de!

AC

 

PS vom 24.2.20: Zu besseren Vergleich sind die Bilder nun größer bzw. durch Anklicken vergrößerbar!

7.2.20: Neues aus dem Schacharchiv: Der unbekannte Meister III - Die älteste Partie

 

Auch auf der Homepage des Landesschachbundes erscheinen Artikel der Serie über Wilhelm Hilse. Unter dem heutigen Datum findet sich dort ein Text über seine bisher bekannteste älteste Partie, die auch darüber hinaus von schachhistorischen Interesse ist! Weiterlesen ...

Anbei der Text von der HP des LSB als Screenshot. Zum Vergrößern anklicken!

6.2.20: Neues aus dem Schacharchiv: Der unbekannte Meister II - Das erste Mal

 

Wie einige bereits mit Argusaugen erkannt haben, beginnt die Lösung des Rätsels vom 24.1. mit dem Zug 1.Dc1! Die Hauptidee des Damenopfers liegt in der Ablenkung des Läufers vom Feld f2, sodass z.B. nach 1. ...Lc1: 2. Sf2 geht mit der undeckbaren Drohung 3.g4#. Ein hübsches Mattbild!

 

Dieses von Brinkmann stammende Problem ist am 16.8.1896 in den Bremer Nachrichten erschienen. Die Erstveröffentlichung war allerdings ohne den schwarzen Bf7 und daher mit 1. Sf6: nebenlösig! Darauf hingewiesen hat der Einsender "W. Hilse, Kirchweyhe". Damit taucht Hilses Name zum ersten Mal überhaupt in der Schachgeschichte auf - die Saat ist gesät!

AC

 

PS: Eine Woche später, also am 23.8., erschien in den Bremer Nachrichten die angeführte korrigierte Fassung mit dem schwarzen Bf7.

24.1.20: Neues aus dem Schacharchiv: Der unbekannte Meister

 

Nach einer kleinen Pause widmen wir auch die diesjährige Vereinsmeisterschaft wieder einem ehemaligen Mitglied der Bremer Schachgesellschaft. Die VM 2020 ist Wilhelm Hilse (1878-1940) gewidmet, der neben Carl Carls und Oskar Antze der dritte BSG-Spieler mit Meisterwürde war. Von den Dreien ist er allerdings am unbekanntesten geblieben - Grund genug, ihn einmal umfänglich zu ehren. Das geschieht in Form eines work in progress: Diverse Unterlagen und Dokumente werden hier nach und nach ausgewertet. So können die Lesenden an der allmählichen Verfertigung eines größeren Textes über Hilse beiwohnen. Das ambitionierte Ziel ist, am Ende des Jahres eine (Kurz)biographie zu haben, die als Referenzquelle zukünftiger Forschung über Hilse angesehen werden kann.

 

Einem Schachspieler angemessen beginnen wir mit einer Schachaufgabe. Denn Hilses Name taucht das erste Mal in der Schachgeschichte mit der Lösung der folgenden Komposition auf. Sie stammt von Brinckmann und die Aufgabe lautet: Matt in 3 Zügen. Lösungsvorschläge an schacharchiv@bremersg.de!

AC