Protestfall 1. FSBL

In der laufenden Saison kam es an Brett 2 unseres Teams gleich im ersten Halbzug zu einem ungewöhnlichen Vorfall, der unseren Protest nach sich zog. Wir werden hier in den nächsten Tagen unsere Unterlagen und eine Stellungnahme veröffentlichen.

Zusammenfassung der Ereignisse

 

1. Der Ausgangspunkt des Sachverhaltes liegt darin, dass KD Meyer, Spieler und MF der HamburgerSchachfreunde, seinen 1. Zug mit schwarz in seiner Partie gegen unseren Spieler Dr. U. Staroske, Präsident des BdF, nicht selbst abgab. Stattdessen ließ er seinen Zug den Administrator des Servers ausführen. Indem sich KD Meyer mit seinem Problem nicht an den Turnierleiter W. Maly wandte, so wie es § 14 TO festlegt, konnten die BdF-internen Mechanismen, die zur Überwindung einer solchen Problematik bestehen, nicht greifen. Der vorliegende Streitfall wäre nicht aufgekommen, wenn KD Meyer den Weg nach TO gewählt hätte.

 

2. Wir legten Protest gegen die Zugabgabe durch den Administrator anstelle des Spielers KD Meyer ein. Unsere Begründung finden Sie weiter unten.

 

3. TL W. Maly hat den Protest nicht als materiell begründet angesehen und diesen zurückgewiesen.

 

4. Wir haben die Begründung des TL als nicht stichhaltig angesehen und dem BdF-Turnierrecht entsprechend den Turnierausschuss angerufen.

 

5. Der Turnierausschuss hat unseren Protest als materiell begründet und die Entscheidung des TL W. Maly als nicht richtig eingeschätzt und entsprechend entschieden. Die Mitglieder des Turnierausschusses haben mehrheitlich entschieden, es gab unterschiedliche Auffassungen. Die jeweiligen Begründungen finden Sie weiter unten.

 

6. Die Hamburger Schachfreunde haben die Entscheidung des Turnierausschusses als nicht stichhaltig angesehen und dem BdF-internen Turnierrecht entsprechend den Spielausschuss angerufen.

 

7. Der Spielausschuss hat Satzungsrang, besteht aus drei Personen, von denen eine der BdF-Präsident ist. Eine Ausfallregelung für den Fall, dass gerade der BdF-Präsident vom Ausfall betroffen ist, gibt es nicht.

 

8. Im vorliegenden konkreten Fall ist der BdF-Präsident Dr. U. Staroske als Spieler der Bremer Schachfreunde in den Streitfall involviert. Damit kann er aus Gründen der Befangenheit nicht im Spielausschuss mitwirken. Es fällt dort also genau die Person aus, die von der Satzung ausdrücklich als Mitglied des Spielausschusses benannt wird.

 

9. Der Weg, den Spielausschuss durch Verständigung auf ein drittes Mitglied zu besetzen, hat nicht zum Erfolg geführt und ist von der Satzung auch gar nicht vorgesehen.

 

10. Die Bremer Schachgesellschaft hat verschiedene Vorschläge zu einer gütlichen Einigung gemacht, diese sind alle zurückgewiesen worden.

 

11. Die BdF-Mitglieder Prof. Stephan Busemann und Rainer Oechslein haben ein Papier verfasst, dass sie als „Entscheidung“ des „Spielausschusses“ verstanden wissen wollen. Hierin wird die Entscheidung des Turnierausschusses als unbegründet zurückgewiesen. Der Vorstand des Deutschen Fernschachbundes e. V. hat diese Darstellung zurückgewiesen – durch einen Beschluss hat der Vorstand klargestellt, dass der Spielausschuss nicht zusammengetreten ist und auch keine satzungskonforme Entscheidung getroffen hat.

Soweit also zum zeitlichen und inhaltlichen Ablauf. Warum ist es nun so wichtig gewesen, überhaupt nach dem ersten Zug zu protestieren?

 

Die Zugabgabe erfolgte nicht durch KD Meyer selbst. Warum hatte er nicht erklärt, was ihn dazu bewog? Wir konnten also nur mutmassen.

 

Möglichkeit 1: Er hat ein technisches Problem.

Das erschien uns nicht stichhaltig. Zum einen hatte er zum Zeitpunkt der Zugabgabe bereits mehrere Turniere auf dem Server gespielt. Zum anderen hatte er in allen anderen Partien ziehen können. Ausserdem hat er sich nicht an §14 TO gehalten, der das Verfahren bei technischen Problemen regelt. Kannte er den nicht? Unwahrscheinlich, hatte er doch sowohl an der Satzung als auch an der TO mitgearbeitet.

 

Möglichkeit 2: Er verschafft sich die Gelegenheit, zu einem späteren Zeitpunkt Protest gegen seinen eigenen Zug einzulegen und so den Verlauf der Partie zu beeinflussen.

Das erscheint unter fairen Sportsleuten nahezu ausgeschlossen. Aber es ist nicht undenkbar. Daher bleibt einem verantwortungsbewussten MF nur, für Rechtssicherheit zu sorgen.

Das geht auf 2 Wegen: Unserem Protest wird (im Zweifel letztinstanzlich) stattgegeben. Das war unser Ziel. Oder aber, eine Instanz weist unseren Protest mit stichhaltiger Begründung ab und stellt damit Sicherheit her. Das wäre denkbar gewesen. Jedoch war die Begründung von Herrn Maly derart dünn, dass sie uns nicht gereicht hat. 

Warum haben wir den Protest dann am Ende doch zurückgezogen?

 

Herr Busemann schickte sich an, einen Beschluss in einem Pseudospielausschuss zu fällen. Warum Pseudo? Weil es kein satzungskonformer Ausschuss war. Es gibt keine Vertretungsregelung für den Präsidenten, also kann man eben auch nicht so tun als ob. Hierzu meine letzte Mail an Herr Busemann im Wortlaut:

 

Sehr geehrte Herren,

 

die Bremer Schachgesellschaft wird kein Urteil akzeptieren, welches ein Spielausschuss fällt, der durch die Satzung nicht legitimiert ist. Wir sind schockiert, dass man sich anschickt ein solches Gremium zu bilden, obwohl die Satzung das ganz ausdrücklich ausschließt. Wo soll das hinführen?

 

Wir stehen also vor der Wahl, ein Urteil (egal wie es ausfällt) zu akzeptieren welches durch Rechtsbruch entsteht oder anschließend mit großen Erfolgsaussichten vor ein ordentliches Gericht zu ziehen und damit den Verband und seine Liga der Lächerlichkeit preiszugeben. Für unseren Spieler SIM Dr. Uwe Staroske sind beide Wege ausgeschlossen. Er stellt die präsidiale Verantwortung über seine Interessen als Spieler und die Interessen seiner Mannschaft. Die Mannschaft trägt dass mit.

 

Wir ziehen unseren Protest zurück.

 

@Bekemann: Bitte leiten Sie diese Mail an den Vorstand und den Turnierleiter weiter. Ich sitze gerade im ICE nach München, wo ich keine Möglichkeit habe, alle Adressen rauszusuchen. Wir sind einverstanden, wenn die Partie wieder freigegeben wird. Wir werden in der ersten Januar Woche eine ausführliche Erklärung und unsere Unterlagen veröffentlichen.

 

Mit freundlichen Grüßen

 

Michael Woltmann

Bremer Schachgesellschaft von 1877

Wir haben folgende Bitte:

 

1. Möge der BdF eine Vertretungsregelung für Mitglieder des Spielausschusses beschliessen.

 

2. Möge der BdF bitte klären, wer in einer FS-Partie einen Zug ausführen darf und unter welchen Umständen davon abgewichen werden kann.

Unserer Auffassung nach kann es nicht dem Sinn einer sportlichen Auseinandersetzung entsprechen, wenn der Wettkämpfer auch diese fundamentale Sache wie die Zugabgabe an andere abgeben darf. Das würde nichts weiter bedeuten, als dass der Spieler im Zweifel nur seinen Namen hergeben muss und alles (!!!) weitere können andere für ihn erledigen. Dabei stellt sich gar nicht die Frage, ob man das kontrollieren kann. Nicht alles, was nicht effektiv kontrolliert werden kann muss deswegen ausdrücklich erlaubt werden.

EntscheidungTABLMeyervsBremen.pdf
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Stellungnahme TA-- Bartsch.pdf
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Anrufung Spielausschuss.pdf
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